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Siehe auch: Kodex (Dragon Age: Inquisition)

Kodexeintrag

Von Varric Tethras

Der Regen hörte so plötzlich auf, als wäre ein unternehmungslustiger Straßenräuber aus der Coterie hinaufgeklettert, um die Wolken zu erdolchen. Der Nebel verzog sich, um einen besseren Teil der Verwundeten Küste heimzusuchen, und als Donnen den Hof der Kirche erreichte, riss auch die Wolkendecke auf. Das Mondlicht schien auf das regennasse Pflaster, und Donnen hielt kurz inne, um zu Atem zu kommen und den abgerissenen Ärmel seines Mantels, den er als Verband benutzt hatte, fester zu ziehen. Die Blutung hatte nachgelassen, was entweder bedeutete, dass seine Wunde weniger tief war, als befürchtet, oder, dass er inzwischen schon so viel Blut verloren hatte, dass es ihm langsam ausging. Während er versuchte, nicht näher über letztere Möglichkeit nachzudenken, stieß er die Kirchenpforte auf.

Zu dieser, vom Erbauer verlassenen, Stunde war die Kirche lediglich durch die ewige Flamme zu Andrastes Füßen erleuchtet. Eine einzige lebende Seele war dort und entzündete eine Kerze für die Verstorbenen. Sie erhob sich, als Donnen ins Licht der Flamme stolperte.

"Gardist!" Lady Marielle eilte zu ihm, um ihm auf eine der Bänke zu helfen.

"Ihr solltet vielleicht einen der Heiler wecken", brachte er mit einem gequälten Lächeln hervor. "Ich war mir nicht sicher, dass Ihr hier sein würdet."

"Ebenso wenig wie ich. Eure Botschaft war ein wenig vage." Marielle versuchte, seinen behelfsmäßigen Verband zu untersuchen, doch Donnen hielt sie davon ab.

Er zeigte auf die goldene Statue Andrastes. "Ich habe Euch von einer Freundin etwas bringen lassen. Es ist unter dem Altar."

Marielle bedachte ihn mit einem zweifelnden Blick, bevor sie auf das Podium stieg und anschließend mit einem kleinen Wachstuchbündel zurückkehrte. Sie öffnete den Knoten, der das Tuch zusammenhielt, und brachte eine rostige Klinge zum Vorschein, an deren Parierscheibe noch immer getrocknetes Blut klebte.

"Hessarians Klinge", hauchte sie, und es klang wie ein Gebet.

"Könnt Ihr dafür sorgen, dass die Göttliche sie erhält?", fragte Donnen.

Sie rieb sich die Augen. "Ich werde sie persönlich zu ihr bringen. Was verlangt Ihr im Gegenzug?"

Donnen kämpfte sich auf die Beine. "Legt einfach beim Erbauer ein gutes Wort für mich ein, Mylady. Man kann nie wissen, ob ich sein Wohlwollen nicht irgendwann mal brauche." Mit diesen Worten ließ er sie im Schrein der Flamme zurück... in ihren Händen ein Stück Geschichte.

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