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Siehe auch: Kodex (Dragon Age II)

Kodexeintrag

Kann der Stein vorsätzlich lügen? Kann er mit primitiven weiblichen Reizen verlocken und doch in erbaulicher Tugend erstrahlen? Vor dieser Herausforderung stand der Bildhauer Arwand de Glace, ein Künstler und Sohn von Kaiserin Vougiene von Orlais. In einer Zeit der Exzesse war diese Frage zwar sinnlos und rhetorisch, und doch fand er - ausgestattet mit den Mitteln einer Nation und einer kranken Leidenschaft - eine Antwort. Sein Thema? Unsere Herrin, die jedoch anders dargestellt wurde als in der traditionellen Bildhauerei.

Arwands wahnsinniges Streben erschuf die Gestalt Andrastes, unberührt von den Mühen des Krieges und bar der Gewänder, in die sie nach ihrem Tod gekleidet wurde. Sein Werk war lebendig, verlockend, obszön und doch auch erbaulich. Es anzusehen, war sowohl geistig als auch körperlich erhebend. Und es war Letzteres, was die Vertreter der Kirche beunruhigte. Obwohl sie selbst ebenfalls davon angezogen wurden, ließ sie der Gedanke an die Darstellung unserer Herrin mit derart niederen Reizen erbleichen.

Da das Werk jedoch nicht vernichtet werden konnte, ohne das Gleichgewicht zwischen weltlicher Herrschaft und dem Glauben zu erschüttern, wurde unter dem Deckmantel der Verehrung eine tief greifende Zensur vorgenommen. Verzauberer wurden damit beauftragt, den Äther, der das Nichts verbirgt, zu erweitern und die Statue wie in einen Mantel in ihn einzuhüllen. Unsere Herrin verbleibt somit im Stein und in dieser Welt, und doch sind ihre Herrlichkeit und ihr Glanz für alle Zeiten vor sterblichen Augen verborgen. Sie ist somit in jeglicher Hinsicht verhüllt.

Wie immer sind jedoch auch jene mit den besten Absichten nicht vor unerwarteten Folgen gefeit. Der Sittsamkeit wäre besser gedient gewesen, wenn man die Statue mit einem dicken Tuch verhüllt hätte, das zum Studium der handwerklichen Techniken heruntergenommen werden könnte. In ihrem jetzigen Zustand können die Fähigkeiten des Bildhauers allein durch forschende Berührungen ergründet werden, durch die Erfassung der Gestalt mithilfe intimer Liebkosungen. So haben wissbegierige Hände und der unschuldige Wunsch nach Verständnis zu den sonderbarsten Geschehnissen geführt.

Aus Kunst und Scham: Verbotene Wunderwerke des Glaubens, von Foisine de Petitforet, übersetzt von Philliam, einem Barden!

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